Medizinisches Cannabis und Fahreignung

Mit dem am 10. März 2017 in Kraft getretenen Gesetz können Ärzte(innen) bei fehlenden Therapiealternativen Medizinal-Cannabisblüten oder Cannabisextrakte auf einem Betäubungsmittelrezept verordnen. Daneben können wie bisher die Fertigarzneimittel Sativex® und Canemes® sowie das Rezepturarzneimittel Dronabinol verschrieben werden.

Auf dem 56. Deutschen Verkehrsgerichtstag in Januar 2018 in Goslar wurde die Meinung vertreten, dass bei der Verordnung von Cannabis-Blüten auch im Falle einer medizinischen Indikation bei einer Teilnahme am Straßenverkehr unter dem Einfluss von Cannabis Zweifel an der Fahreignung bestehen. Diese Auffassung des zuständigen Arbeitskreises fand allgemeinen Konsens. Das bedeutet, dass die Fahrerlaubnisbehörde die Beibringung eines ärztlichen Gutachtens anordnen kann. Zusätzlich kann eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) verlangt werden.

Allerdings stellt gemäß §24a StVG Absatz 2 Satz 3 die verordnungs- bzw. bestimmungsgemäße Einnahme des Betäubungsmittels THC als Medikament kein ordnungswidriges Verhalten im Sinne des §24a StVG dar.

Für die Unterscheidung zwischen therapeutischer Cannabis-Medikation und illegalem Konsum von Cannabis als Rauschmittel kann nicht nur der quantitative Nachweis von THC und seinen Metaboliten 11-Hydroxy-Δ9-THC und 11-COOH-THC (THC-Carbonsäure), sondern auch die Anwesenheit/Abwesenheit von CBN (Cannabinol), CBD (Cannabidiol) und THC-A (Delta9-THC-Säure) von Bedeutung sein. Verfahren für den Nachweis dieser Stoffe im Blut/Serum werden in unserem Labor etabliert.